Stockholm

Stockholm – eine Stadt, die ihrer Zeit weit voraus ist

Wer uns ein wenig verfolgt, unseren Podcast hört oder sich gelegentlich Folgen unseres YouTube-Kanals ansieht, weiß, daß wir sehr reiselustig sind. Und so hat es uns am ersten Dezemberwochenende – also noch letztes Jahr 2017 – in eine nördliche Hauptstadt verschlagen: in das zauberhafte und bei jedem Wetter tolle Stockholm.

Wir sind ja selbst bereits im 21. Jahrtausend angekommen und haben unsere Flüge und unser Hotel im Internet gebucht.. wie das eben heute so üblich ist. Wie immer haben wir – wenn wir können – unsere Flüge bei Eurowings und unser Hotel bei Booking.com gefunden. Wir lieben diese Freiheit, die uns diese Plattformen bieten: wir können das „kaufen“, was am besten zu uns passt und haben zumindest bei der Hotelbuchung zumeist die Möglichkeit, bis ganz kurz davor alles wieder kostenfrei zu stornieren. Das war aber diesmal nicht nötig: unser Hotel „At Six“ war sehr stylish, super gelegen und wirklich der Knaller.

Stockholm – anders als andere Städte

Trotzdem ist Stockholm die etwas andere Weltstadt. Während London, Madrid oder Berlin pulsierende Metropolen sind, die das Weltgeschehen bestimmen und in denen man sich vor lauter Unübersichtlichkeit manchmal nur noch schlecht zurechtfindet, versprüht das beschauliche Stockholm eher das entspannte Flair des beliebteren kleinen Bruders einer Millionenhauptstadt – übersichtlich, entspannt und vor allem freundlich.

Hier sind die wichtigen Dinge des Lebens noch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Boot zu erreichen – kein Wunder: auf der Liste der 46 europäischen Hauptstädte liegt Stockholm mit seiner flächenmäßigen Größe von lediglich rund 188 km² auf Platz 28 und damit eher im Mittelfeld, wenn man die Bewohnerzahlen vergleicht mit Platz 20 eher auf einem der oberen mittleren Plätze.

Stockholm

Insgesamt macht Stockholm auf seine Besucher einen eher verschlafenen Eindruck, der im Gegensatz zu anderen lebhaften Metropolen jedoch Erholung garantiert und der einen bei einem Kurzbesuch die Hektik des Alltags vergessen läßt.

Beschaulichkeit mit digitaler Entfaltung

Umso größer war unser Erstaunen, als wir bei unserem kurzen Besuch bereits am ersten Tag feststellen konnten, daß diese vermeintlich verschlafen verträumte Weltstadt in ihrer Entwicklung hin zur digitalen Abwicklung der Dinge unserem deutschen Verständnis weit voraus ist.

Wir waren an unserem ersten Abend in dieser schönen Stadt noch auf der Suche nach einem Geldautomaten – nicht, daß wir nicht auch mit plastic money hätten zahlen können, aber machmal ist einem eben noch wohler, wenn man Bargeld in der Börse weiß. Doch wir mussten nach einigem Suchen schnell feststellen, daß Bankautomaten selbst in der Stockholmer Fußgängerzone eine Seltenheit  sind. Das hat uns da noch gewundert, denn wir dachten, der Schwede ansich braucht doch auch irgendwie Kleingeld.

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Aber weit gefehlt – daß selbst der Bettler auf der Straße nicht noch ein Kartenterminal aus dem Ärmel zaubert, ist nach einiger Zeit eigentlich die größte Überraschung – neben dem, daß man sich doch relativ schnell daran gewöhnt, daß man kein Bargeld mehr braucht.

Ohne Bargeld bequem zahlen

Und das nicht nur in zeitgemäßen modernen Etablissements wie dem stylischen Sockenladen um die Ecke (Happy Socks.. yeah!), sondern auch in dem alteingesessenen Oma-Café, in dem wir an unserem zweiten Tag waren – hier informiert ein simples Schild, daß Beträge nicht mehr in bar gezahlt werden können.. und so werden dann auch insbesondere Kleinstbeträge wie die für einen Kaffee oder ein Stückchen Käsekuchen mit Sahne ganz selbstverständlich mit Karte gezahlt. Und das Erstaunliche ist: was für den Stockholmer bereits völlig normal ist, daran gewöhnt sich auch der herkömmliche Stockholm-Tourist in Nullkommanix.

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Demnach auch wir. Es dauerte also auch gar nicht mehr lange, bis wir es ganz normal fanden, einfach mit EC- oder Kreditkarte zu bezahlen – unnötig zu erwähnen, daß wir natürlich jede Menge Kleingeld wieder mit nach Hause gebracht haben.

kein Bargeld hat nicht nur Vorteile

Was wir uns allerdings schon fragen, ist: wo führt das für die gemeine Toilettenfrau hin oder den Pizzaboten. So schön, wie es ist, die Taschen frei zu haben von Klimpergeld, so nachvollziehbar ist auch der Gang des Geldes, wenn es digital ausgegeben wird. Und der eine oder andere, der darauf angewiesen ist, Trinkgeld einzunehmen, wird sicherlich erstmal in die Röhre gucken. Aber vielleicht gibt es ja dafür auch wieder eine kreative Lösung.

Autofreie Innenstadt

Ähnlich erstaunt waren wir im übrigen auch darüber, daß ganz Stockholm völlig selbstverständlich mit von einem Netz von Straßenblockaden überzogen ist, die dafür sorgen, daß keine Autos in die verkehrsberuhigte Fußgängerzone fahren können – auch nicht absichtlich und mit Gewalt. Auch das scheint uns in der heutigen Zeit, in der offenbar Mode geworden ist, Anschläge per Pkw oder manchmal sogar per Lkw zu verüben, durchaus angemessen. Wir prognostizieren sogar, daß immer mehr Innenstädte zwangsläufig Autofrei und damit sicherer werden. Und hier ist Stockholm auch schon wieder einen Schritt weiter – was bei uns lediglich zu jahreszeitlichen Ereignissen wie dem Weihnachtsmarkt in Essen temporär installiert wird, ist in Schweden bereits permanente Realität. Zwar sind diese Durchfahrhindernisse hübsch „verpackt“ und sehen aus, als ob ein in Stein gemeißelter Löwe einfach so am Straßenrand liegt und passen sich so ganz unscheinbar und passend in das Straßenbild ein, aber trotzdem erfüllen sie zweifelsohne ihren Zweck – und das anders als in Deutschland völlig unauffällig und ohne jeden öffentlichen Protest.

Auch hier ist uns Stockholm ganz unerwartet mal wieder um Welten voraus.